Erwiderung: Russland/Schröder

von Martin Steffens:

In der Sache möchte ich keineswegs Herrn von Dohnanyi in Schutz
nehmen.

Was er (auch bei Maischberger) gesagt hat zu Martin Schulz
finde ich – auch und gerade vom öffentlichen Setting her – unsäglich.
Ich weiß nicht, ob er diese Kritik auch im Vorfeld in internen Kreisen
geäußert hat, aber das ist mir dann doch zu sehr von oben herab.

Was Gerhard Schröder angeht bin ich mir nicht sicher. Aber ich möchte
doch ein paar kritische Fragen stellen, bevor wir – Vorbildfunktion
eines Altkanzlers hin oder her – zu arg mit ihm ins Gericht gehen:

– als global vernetzte Exportnation treiben wir mit so ziemlich allen
Ländern auf der Welt Handel und beziehen unseren Wohlstand daraus.
Dabei nehmen wir in Kauf, auch mit Ländern zu handeln, die einige der
Werte, die uns wichtig sind, mit Füßen treten.
Ist China besser in der
Hinsicht als Russland?
Oder Bangladesch? Saudi-Arabien?

– jeder kann ja mal seine eigenen „Handelsbeziehungen“ hinterfragen.
Kaufen wir Schuhe aus Frankreich oder aus China? Kaufen wir Hemden aus
der Slowakei oder aus Indonesien? Kaufen wir ein „Fairphone“ oder ein
Produkt, das sich um den Abbau der Rohstoffe aus Kinderarbeit und das
Zusammenbauen unter selbstmörderischen Bedingungen einen Sch…dreck
schert? Und wir können uns da nicht rausreden, dass wir die Sachen ja
bei einem deutschen Händler kaufen und uns die Hände nicht schmutzig
machen. Sind wir damit auch „Handlanger“ von Entwicklungen, die wir
eigentlich nicht wollen?

– die Russen haben unter Jelzin keine guten Erfahrungen mit der
Demokratie gemacht. Das gab Chaos und schamlose Bereicherung von
einigen wenigen. Steht es uns zu, zu beurteilen, ob die Form der
„westlichen“ Demokratie für alle Menschen auf der Welt erstrebenswert
ist? Wenn ja: Bietet nicht gerade der Handel mit solchen Ländern dann
die beste Chance, unsere Ideen und Werte zu verbreiten?

– waren die Amerikaner in den letzten Jahrzehnten wirklich
außenpolitisch „segensreicher“ als die Russen?
Klar würde ich (vor die
Wahl gestellt) lieber in den USA leben als in Russland.
Aber am liebsten eben doch hier in Deutschland.
Und haben wir als Deutsche
nicht ein starkes Interesse daran, sowohl zu den USA als auch zu
Russland gute Beziehungen zu pflegen und auch Einfluss zu bekommen in
Unternehmen beider Länder? Klar: Wir haben gegen Russland aktuell
Sanktionen verhängt. Aus gutem Grund. Aber wenn ich es richtig
mitbekommen habe, verstößt Gerhard Schröder gegen keine rechtlichen
Vorgaben, sondern die Kritik ist rein politisch.

– könnte es sein, dass die Springer-Presse hier eine Kampagne gegen
einen Genossen fährt, die wir nicht unbedingt mit befeuern müssen?
Seit wann ist denn die BILD plötzlich zimperlich, wenn es um Geld geht?

 

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